Obsidian verfügt derzeit (noch) nicht über eine Funktion zum schnellen Erfassen neuer Notizen auf Smartphones. Ein Blick in die Roadmap verrät, dass eine derartige Funktion mit der Bezeichnung Mobile quick capture zwar geplant ist, aber es keinen Erscheinungstermin dafür gibt. Folglich muss man zu anderen Methoden oder sogar Apps von anderen Herstellern greifen, um dieses Problem zu umgehen.
Apps wie Funnel, Quick Capture oder das vielseitige Drafts – um nur ein paar wenige zu nennen – bieten die Möglichkeit, Daten unterwegs via Smartphone in den eigenen Obsidian-Vault zu bugsieren. Dazu muss man diesen Apps natürlich vertrauen, denn schließlich brauchen sie zu diesem Zweck Zugriff auf den Vault und die jeweiligen Daten. Alternativ kann man auch zum guten alten Notizbuch samt Stift greifen. Nachdem ich jedoch schon seit Jahren kein Notizbuch mehr besitze und mein iPhone zu meinem digitalen Notizbuch geworden ist, habe ich in den letzten Jahren immer wieder neue Methoden ausprobiert, um damit Gedanken, Ideen, und Geistesblitze unterwegs schnell und unkompliziert erfassen zu können. Einige dieser Methoden habe ich hier im Blog beschrieben und vorgestellt. Bisher war ich aber mit keiner davon so richtig zufrieden. Das hat sich nun geändert denn seit ein paar Wochen nutze ich eine neue Version meines Kurzbefehls für den Kurzzeit Braindump und habe damit mein Mobile quick capture-Problem vorerst gelöst.
Neuer Kurzbefehl für Schnellnotizen
Anstelle wie bisher die erfassten Notizen in einer Datei nach dem Newport’schen workingmemory.txt-Konzept zu sammeln, wird einfach für jede Notiz eine neue Markdowndatei direkt am Desktop gespeichert. Als Dateinamen erhalten diese Schnellnotizen den jeweils aktuellen Zeitstempel im Format YYYY-MM-DD_HH-mm-ss. Besonders praktisch daran ist, dass auf diese Weise die Schnellnotizen nicht vergessen werden, denn sie stechen am Desktop direkt ins Auge. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber dem workingmemory.txt-Konzept mit einer Sammeldatei, die immer am Desktop liegt – auch wenn sie leer ist – und an die man sich rasch gewöhnt und mit der Zeit nur mehr gelegentlich reinschaut.

Der Siri-Kurzbefehl dazu ist simpel. Nach einer Aufforderung zur Texteingabe, die auch mehrere Zeilen erlaubt, wird der eingegebene Text in das reine Textformat verwandelt. Anschließend wird das aktuelle Systemdatum in das gewünschte Format konvertiert und eine neue Datei mit dem Text der Notiz als Inhalt und dem Systemdatum als Dateiname im Markdownformat am Desktop gespeichert.
Wichtig ist daher, dass der Desktop zwischen iPhone und Mac via iCloud synchronisiert wird. Denn schließlich ist diese Methode vor allem unterwegs am iPhone praktisch. Und man möchte ja gleich bei der Rückkehr an den Schreibtisch auf die neuen Schnellnotizen zugreifen können.
Unkomplizierte Nutzung unterwegs
Für das unkomplizierte und flotte Aufrufen des Kurzbefehls starte ich ihn mit Doppeltippen auf die Geräterückseite des iPhones oder über das Kontrollzentrum. Der Zugriff über das Menü für die Aktionstaste am iPhone hat sich für mich nicht bewährt, wäre aber sicher auch noch eine dritte Alternative. Von einer direkten Verknüpfung über ein eigenes Icon oder Widget am Homescreen mal abgesehen.
Wie schon im vergangenen Juni zuletzt hier beschrieben, diktiere ich meistens meine Ideen und Gedanken, wenn ich unterwegs bin und nutze dafür die Diktierfunktion über die Softwaretastatur von iOS mit dem Mikrofon-Button rechts unten.

Mit einem Klick auf Fertig wird der diktierte oder eingetippte Text in einer neuen Schnellnotiz gespeichert und diese mit dem Zeitstempel als Dateinamen auf dem Desktop abgelegt. Dadurch stehen dank iCloud-Sync die unterwegs angelegten Schnellnotizen zum späteren Verarbeiten auch gleich am Mac zur Verfügung.
Das Doppeltippen auf die Geräterückseite des iPhone kann man in den Einstellungen unter Bedienungshilfen und dort wiederum unter Tippen ganz unten mit der Option Auf die Rückseite tippen einstellen (siehe Punkt 1 im nachstehenden Screenshot). Alternativ dazu klappt der Zugriff – wie bereits erwähnt – auch über das Kontrollzentrum (siehe Punkt 2 im Screenshot).

Fazit
Mit diesem einfachen Kurzbefehl habe ich nach mehreren Iterationen das Mobile quick capture-Problem für mich vorerst gelöst. Natürlich lässt sich damit nur reiner Text erfassen. Bilder oder Links zu Webseiten können damit nicht in Schnellnotizen verarbeitet werden. Allerdings kann ich so zumindest sicherstellen, dass meine Ideen, Gedanken und Geistesblitze nicht verloren gehen, sondern direkt auf dem Desktop von meinem Mac landen. Dort harren sie dann der weiteren Bearbeitung und werden danach einfach wieder gelöscht. Weiterhin spannend bleibt jedenfalls, wie die Mobile quick capture-Funktion in Obsidian aussehen wird und was sie dann leisten kann.
