Die Möglichkeiten für das persönliche Projektmanagement mit dem reinen Text- bzw. Markdown-Format sind erstaunlich vielfältig. Neben Aufgabenlisten und einem Logbuch kann auch der Kalender direkt in Obsidian geführt und als Grundlage für eine solide Planung genutzt werden. Alles, was es dazu braucht, sind die tägliche Notiz, das Calendar-Plugin und eine sinnvolle Markdown-Syntax für die Terminplanung.
Irgendwann im Sommer bin ich über calendar.txt von Tero Karvinen gestolpert. Diese einfache Methode zum Führen eines Kalenders im reinen Textformat hat mich seither nicht mehr losgelassen und ich wollte das in Obsidian implementieren. Mittlerweile mache ich seit gut zwei Monaten meine Terminplanung im reinen Text- bzw. Markdown-Format mit der täglichen Notiz in Obsidian. In der zwanzigsten Ausgabe der randNOTIZEN habe ich darüber bereits kurz berichtet und möchte nun etwas ausführlicher und detaillierter darauf eingehen.
Von calendar.txt zu Kalender.md
Calendar.txt von Tero Karvinen ist eine Methode, mit der man einen Kalender im reinen Textformat führen kann. Sie ist dadurch unabhängig von Apps und Plattformen und kann einfach über eine Textdatei zwischen Geräten synchronisiert werden. Die Schreibweise folgt einer bestimmten Syntax, bei der zunächst das Datum, gefolgt von Kalenderwoche und Wochentag notiert werden und anschließend der Start- und Endzeitpunkt des Termins, eine Kategorie und schließlich die Beschreibung des Ereignisses selbst. Ein Kalendereintrag sieht dann also so aus: YYYY-MM-DD wWW ddd hhmm-hhmm tt Text. Karvinen schlägt zudem vor, dass man pro Kalendertag alles in eine Zeile schreiben soll. Zudem gibt es monatliche Mottos oder Themen, die dann direkt nach der Monatszahl als Text eingetragen werden. Sinngemäßes kann man für ein ganzes Jahr oder eine Woche machen.
Trägt man also einen Termin für den 20. November 2025 ein, der um 10:15 Uhr startet und bis 11:45 Uhr anberaumt ist, dann nutzt man dafür die Schreibweise 2025-11-20 w47 Mon 1015-1145 Termin. Folgt dann um 14 Uhr noch ein weiterer Termin, dann hängt man diesen einfach in derselben Zeile hinten an – in etwa so: 2025-11-20 w47 Thu 1015-1145 Termin 1400-1530 Zweiter Termin. Je mehr Termine also an einem Tag geplant sind, umso länger wird die Zeile.
Karvinen geht davon aus, dass man alles in einer endlosen Kalender-Datei untereinander einträgt. Er bietet auf seiner Website auch eine Vorlage als Textdatei an, die bereits bis ins Jahr 2033 reicht. Da macht es durchaus Sinn, pro Tag nur eine Zeile zu verwenden. Das war allerdings nicht meine Intention, denn ich möchte meine Termine und Ereignisse in den täglichen Notizen in Obsidian mit Markdown und in Form eines digitalen Bullet Journals planen. Ich nenne diese Vorgehensweise Kalender.md. Dabei trägt man die Termine für den jeweiligen Tag in die zugehörige tägliche Notiz ein. Die Syntax für einen Termin ist damit auch deutlich kürzer, weil Datum und Wochennummer in der täglichen Notiz entfallen können. Ebenso nutze ich keine Kategorien für meine Termine. Dafür kommt das Symbol für den Termin als Bullet Point und eine Ortsangabe hinzu. Somit folgt die Markdown-Schreibweise für einen Termineintrag in der täglichen Notiz der Syntax - [o] HHmm-HHmm Text (@ Ort). Und in der täglichen Notiz sieht das dann so aus:

Kalendernavigation
Zur Navigation zwischen den täglichen Notizen nutzt man entweder eine selbstgebaute Monatsansicht mit den entsprechenden Links, oder – wie in meinem Fall – das Calendar-Plugin, das bequem über die Seitenleiste von Obsidian bedient werden kann.

Im manuell erstellten Monatskalender ist natürlich jedes Datum mit der zugehörigen täglichen Notiz verlinkt. Das bietet den Vorteil, dass man eine Vorschau der täglichen Notiz sehen kann, wenn man den Mauszeiger über ein Datum bewegt.

Zudem könnte man auf diese Weise ganz im Sinne des Multi-Scale Planning-Ansatzes den Monatskalender gleich auch zur genaueren Planung des jeweiligen Monats nutzen.
Zukünftige Termine eintragen
Sobald ein Termin vereinbart wird, lege ich für das Datum eine neue tägliche Notiz an, sofern diese noch nicht existiert und trage dort gleich den neuen Termin ein. In der Kalenderansicht wird das Datum dann mit einem kleinen Punkt markiert, der visuell verdeutlicht, dass es bereits eine tägliche Notiz und somit zumindest schon einen Termin an diesem Tag gibt. Im manuellen Kalender müsste man dann den Link zur neuen täglichen Notiz eben auch händisch erzeugen.
Vorhandene Kalendereinträge importieren
Die bereits vorhandenen Kalendereinträge kann man entweder manuell aus dem bisherigen Kalender übertragen, oder falls das zu mühsam ist, auch automatisiert kopieren. Da mir das händische Abtippen viel zu aufwändig war, habe ich mir einen Kurzbefehl gebastelt, der aus der Kalender-App auf meinem Mac sämtliche Einträge aus einem vorab definierten Zeitraum ausliest, ins gewünschte Markdown-Format überträgt und dann in die Zwischenablage zum Einfügen in Obsidian kopiert.

Der Kurzbefehl übernimmt sämtliche Formatierungsarbeiten und gibt die Kalenderereignisse im Format - [o] YYYY-MM-DD HHmm-HHmm Text (@ Ort) in einer Liste an die Zwischenablage weiter. Das Datum wurde deshalb ergänzt, weil der Zeitraum, aus dem die Kalendereinträge ausgelesen und umformatiert werden sollen, auch länger als nur ein Tag sein kann. In meinem Fall waren es sogar gleich mehrere Monate, was mit dem Kurzbefehl bestens geklappt und mir viel Tipparbeit erspart hat. Das Einfügen der exportierten Kalendereinträge in die täglichen Notizen muss allerdings manuell erfolgen.
Eine detaillierte Beschreibung des Kurzbefehls würde den Rahmen dieses Beitrags allerdings sprengen und deshalb gibt’s Kalender.md direkt zum Herunterladen.
Fazit
Es ist schon erstaunlich, was alles im reinen Textformat möglich ist. Mit einfachsten Mitteln kann zur persönlichen Terminplanung ein Kalender in Obsidian geführt werden. Natürlich klappt das auch mit jedem anderen Texteditor, aber seinen praktischen Charme entfaltet Kalender.md in Obsidian mit den täglichen Notizen in Kombination mit dem Calendar-Plugin. Besonders gut gefällt mir neben der Einfachheit dieser Vorgehensweise, dass ich damit in der täglichen Notiz neben den Logbucheinträgen und Aufgaben auch Kalendereinträge in kompakter Form als quasi interstitielles Bullet-Journal im reinen Text- bzw. Markdown-Format zusammenstellen kann.
Der manuelle Charakter dieser Methode ist dabei keinesfalls eine Unannehmlichkeit. Durch die vollständige Tagesübersicht ist es vielmehr hilfreich, denn es ermöglicht mir, bewusster zu planen. Und es löst das Vertrauensproblem mit automatisierten Kalendern, die auch von anderen – beispielsweise von Kolleginnen und Kollegen – mit Termineinträgen versehen werden können. Die Methode ist ähnlich wie früher in meinem guten, alten Filofax, jetzt aber im reinen Text- bzw. Markdown-Format und natürlich digital.

Hallo Thomas,
wieder ein guter Blog-Beitrag und vielen Dank für den Kurzbefehl – läuft perfekt. In den nächsten Tagen werde ich die Terminplanung im reinen Textformat ausprobieren.
Viele Grüße
Michael
P.S. dein Tipp – Field Guide Shortcuts von David Sparks – war super hilfreich. Durch den Kurs von David kann ich deine Kurzbefehle verstehen/nachvollziehen und ggf. auf meine Umgebung an passen.
Danke Michael! Freut mich sehr!