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App-Tipp: Calibre

Das Wissen der Welt ist (noch) zu einem guten Teil in Büchern gespeichert. Natürlich findet man nicht nur Wissen auf Buchseiten, sondern auch jede Menge Unterhaltung. Ich lese Bücher schon seit einigen Jahren ausschließlich digital auf einem E-Reader im EPUB-Format. Und seit letztem Jahr verwende ich zur Verwaltung meiner digitalen Bibliothek die Open-Source-Software Calibre. Höchste Zeit also, diese App mal auch hier im Blog etwas näher unter die Lupe zu nehmen.


In einer der letzten Ausgaben der randNOTIZEN habe ich darüber berichtet, wie ich meine Buch- und Literaturnotizen in einer virtuellen Bibliothek mit Obsidian und Bases organisiere. Die Bücher selbst, also die E-Books – meist im EPUB-Format – werden mit Calibre verwaltet und derzeit auf einem PocketBook Verse Pro Color gelesen. Calibre wird von Kovid Goyal seit 2006 entwickelt und liebevoll gepflegt. Es ist eine kostenlose, quelloffene Software zum Sammeln, Katalogisieren, Lesen, Bearbeiten und Konvertieren von E-Books. Zudem kann man damit die digitalen Buchdateien auf verschiedene E-Reader übertragen. Das ist allerdings stark untertrieben, denn der gesamte Funktionsumfang von Calibre besteht aus einer nahezu unüberschaubaren Vielfalt an Möglichkeiten und Einstellungsoptionen. Sie alle hier in einem Blogbeitrag zu beschreiben, ist unmöglich und ich kann daher bestenfalls und einen oberflächlichen Einblick in diesen leistungsfähigen E-Bookmanager geben.

Kernfunktionen

Sammeln, Katalogisieren, Lesen, Bearbeiten und Konvertieren von E-Books sind die Kernfunktionen von Calibre. Darüber hinaus lassen sich mit dem potenten E-Book-Manager auch Metadaten wie Titel, Autor, Beschreibung, oder das Cover des Buches anpassen und bearbeiten. Zu diesem Zweck kann man Metadaten von Büchern auch über diverse Quellen im Internet ergänzen. Das ist eine Funktion, die ich sehr gerne verwende, um beispielsweise Klappentexte, Veröffentlichungsdaten und ähnliches in den digitalen Buchkatalog zu übernehmen.

Der Metadaten-Editor in Calibre

Metadaten lassen sich übrigens auch im Reiter Benutzerdefinierte Metadaten mit selbst definierten Feldern erweitern. Ich nutze das zum Beispiel, um den Lesestatus eines Buches zu erfassen.

Eine weitere Funktion von Calibre ist das Speichern von Nachrichten über Websites als E-Book. Ich muss allerdings zugeben, dass ich diese Funktion nicht nutze und daher auch keine fundierten Aussagen dazu treffen kann.

Benutzeroberfläche

Calibre ist in einem zweckoptimierten Design einer App gehalten, die plattformübergreifend unter macOS, sowie unter Linux und Windows gleichermaßen kostenlos genutzt werden kann. Technisch gesehen handelt es sich dabei um eine Datenbankanwendung, die auf ein Verzeichnis am Rechner zugreift, in dem die eigentlichen Buchdateien gespeichert und in Verzeichnissen organisiert sind.

Digitale Bibliothek in einzelnen Verzeichnissen und Dateien

Das zentrale Fenster des Programms zeigt die Bibliothek. Die Einstellungsmöglichkeiten und Anzeigeoptionen dafür sind gefühlt zahllos. Erreichbar sind die Optionen für die Anzeige über den Einstellungsdialog der App und dort unter Benutzeroberfläche und Erscheinungsbild. Aber Vorsicht, denn in diesen Einstellungen kann man sich tatsächlich verlieren. Ein Blick auf die Hilfeseite von Calibre, oder in eine der Anleitungen wird daher empfohlen.

Blick auf die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten zum Erscheinungsbild von Calibre

Ich habe die Variante mit einer Ansicht der Buchcovers gewählt. Aber auch der Schlagwortbrowser in der linken Seitenleiste, sowie die Detailansicht zum ausgewählten Buch und die Symbolleiste können nach den eigenen Vorlieben gestaltet, sowie wahlweise ein- oder ausgeblendet werden. Einen guten ersten Überblick für den Start mit Calibre bekommt man im nachstehenden Video vom Entwickler selbst.

Zehnminütige Grand Tour durch die wichtigsten Funktionen von Calibre

Auf der Website von Calibre gibt es neben dieser Grand Tour zudem auch weitere Tutorials.

Einstellungsmöglichkeiten

Wie bereist erwähnt, sind die Einstellungsmöglichkeiten in Calibre sehr umfangreich und vielfältig. Der Einstellungsdialog der App ist thematisch in die Bereiche Benutzeroberfläche, Konvertierung, Importieren und Exportieren, Versand, sowie Erweiterungen gegliedert. Darunter sind die vielfältigen Optionen über weitere Dialoge erreichbar.

Einstellungsdialog von Calibre

Es würde den Rahmen dieses Blogbeitrags bei weitem sprengen, wenn ich nun auf alle Möglichkeiten und deren Auswirkungen eingehe. Deshalb darf ich an dieser Stelle auf das Calibre-Benutzerhandbuch verweisen. Und es gibt auch eine sehr detaillierte Calibre Anleitung in deutscher Sprache, die sich allerdings leider nicht mehr auf die aktuelle Version der App bezieht.

Erweiterungspotential

Trotz der Unmenge an Funktionen und Einstellmöglichkeiten lässt sich Calibre darüber hinaus mit Plugins erweitern. Es existieren neben allen möglichen Geräteschnittstellen zu E-Readern auch Erweiterungen für die Benutzeroberfläche, die Katalogerzeugung, oder zur direkten Anbindung von eBook-Händlern, wie beispielsweise ebook.de. Installieren lassen sich die Erweiterungen über den entsprechenden Einstellungsdialog.

Einstellungsdialog zum Installieren von Erweiterungen in Calibre

Darüber hinaus können Erweiterungen auch aus anderen Quellen geladen und in Calibre installiert werden. Das klappt dann entweder aus einer heruntergeladenen Datei oder über die Schaltfläche Neue Erweiterungen beziehen. Beispielsweise gibt es eine Erweiterung zum Importieren von Metadaten aus Zotero. Im Forum mobileread.com bekommt man einen Eindruck davon, was sich in der Entwicklung der Plugins für Calibre so alles tut und es gibt auch einen Erweiterungsindex.

E-Reader

Ein Doppelklick auf das jeweilige Buch in Calibre öffnet selbiges im eingebauten E-Reader. Dieser E-Reader versteht sich mit sämtlichen gängigen E-Book-Formaten. PDF-Dateien kann ebenfalls in Calibre importieren, die werden dann aber in der jeweiligen PDF-App geöffnet.

Der eingebaute E-Reader von Calibre

Der E-Reader von Calibre ist – obwohl quasi eingebaut – eigentlich eine eigenständige App und verfügt – ähnlich wie Calibre selbst – über granulare Einstellmöglichkeiten und Optionen zum Anpassen. Neben Farben, Seitenlayout und vielem mehr, lassen sich ganz unten unter Verschiedenes auch die seitliche Symbolleiste anpassen und die zuletzt verwendete Fenstergröße und -position, sowie die zuletzt gelesene Seite speichern. Insbesondere die letzten beiden Optionen finde ich überaus praktisch.

Einstellungsmöglichkeiten für den E-Reader von Calibre

Export von Markierungen und Notizen

Ein besonderes Highlight des E-Readers ist jedoch die Exportfunktion von Markierungen und Notizen aus den E-Books. Die lassen sich nämlich im Markdown-Format exportieren und zwar samt Links zu den markierten Textstellen, die dann beispielsweise aus Obsidian heraus direkt per Klick zur markierten Textstelle im E-Book führen.

Exportfunktion für Markierungen und Notizen im Markdown-Format

Selbstverständlich können Markierungen und Notizen auch im reinen Textformat oder in einem proprietären Calibre-Format als Dateien exportiert werden.

Für die Links nutzt Calibre ein eigenes URL-Schema zum Aufrufen von Büchern. Damit lassen sich aber nicht nur diese Deep-Links zu den markierten Textstellen ansteuern, sondern auch einzelne Bücher in der App anzeigen und öffnen. Mit der entsprechenden URL kann zwischen Bibliotheken gewechselt, oder sogar eine Suchabfrage durchgeführt werden.

Nutzung auf mobilen Geräten

Mobile E-Reader unterschiedlicher Hersteller werden großteils beim Anschließen mittels USB-Kabel an den Rechner von Calibre automatisch erkannt. Falls nicht, dann gibt es mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Geräteschnittstelle, die sich als Erweiterung installieren lässt. E-Books lassen sich dann direkt aus Calibre auf das Gerät transferieren. Leider synchronisiert Calibre keine Lesestände, Notizen oder Markierungen mit dem E-Reader.

Wenn man kabellos auf die Büchersammlung in Calibre zugreifen möchte, dann kann man einen eigenen Bücherserver einrichten, mit dem man die eigene E-Book-Bibliothek in einem Netzwerk bereitstellen kann. Damit wird dann über den Umweg im Browser von Tablet oder Smartphone auf die Bücher zugegriffen. Das setzt allerdings voraus, dass Calibre auf dem als Bücherserver fungierenden Rechner läuft.

Fazit

Calibre ist ein mächtiges, vielseitiges Werkzeug für die eigene E-Book-Sammlung. Es vereint Bibliotheksverwaltung, Konvertierung, Bearbeitung und Übertragung von E-Books in einem Programm. Das Zusammenspiel mit E-Readern ist gelungen und die Exportfunktion von Markierungen und Notizen ebenso. Letztere erleichtert das Übertragen in Literaturnotizen, die man beispielsweise mit Obsidian erstellt, dank dem eingebauten Markdown-Support inklusive Deep-Links zu den markierten bzw. annotierten Textstellen ungemein.
Einzig die fehlende Synchronisierung ebendieser Markierungen und Notizen mit einem mobilen E-Reader, sowie des Lesestatus bzw. -fortschritts sind Funktionen, die ich noch vermisse. Ansonsten lässt Calibre in Sachen E-Bookmanagement keinerlei Wünsche offen.

Quellen & Links

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