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Struktur im Zettelkasten

Jeder Systematik wohnt eine Struktur inne, die den Aufbau sowie die Art und Weise der Verbindungen zwischen den Systemkomponenten beschreibt. Auch auf den ersten Blick chaotische Systeme wie ein Zettelkasten haben eine Struktur. Und obwohl ich jetzt völlig Ordnerlos in meinem Obsidian-Vault unterwegs bin, halte ich trotzdem an (m)einer Struktur fest. Weil nämlich Struktur aus mehr, als bloß einem Verzeichnisbaum besteht.


Letzte Woche habe ich über meine Abkehr von meiner bisherigen Ordnerstruktur in meinem Obsidian-Vault berichtet. Aber dennoch bin ich der Auffassung, dass es eine gewisse grundlegende Struktur in einem digitalen Zettelkasten braucht. Selbst in der Heterarchie des Luhmann’schen Zettelkastens war – wie der Name schon vermuten lässt – eine gewisse Grundordnung, eine Struktur enthalten, mit der die Organisation des Zettelkastens überhaupt erst möglich wurde.

Die fünf Strukturelemente im DOS-Dreieck

Nach wie vor nutze ich als organisatorischen Rahmen für meine Version eines digitalen Zettelkastens in Obsidian das DOS-Dreieck. Es visualisiert das Zusammenwirken der fünf Strukturelemente in meiner Version des digitalen Zettelkastens. Diese fünf Strukturelemente sind

Dabei wirkt die Beziehung zwischen Dateinamen, Ordnerstruktur und Schlagworten wie ein struktureller Rahmen. Innerhalb dieses Rahmens können dann Strukturnotizen bzw. MOCs mit den entsprechenden Verweisen zu Notizen eines Themenbereichs entstehen.

Das DOS-Dreieck im digitalen Zettelkasten

Ordnerstruktur vs. Dateinamen

Wesentlich wichtiger als eine Ordnerstruktur sind für mich sprechende Bezeichnungen und Titel für die Notizen, die dann auch als Dateinamen verwendet werden können. Sie sind ein wichtiger Aspekt bei der Organisation des digitalen Zettelkastens, weil man sie insbesondere für Verweise bzw. Links zu anderen Notizen nutzt. Deshalb möchte ich aus dem Dateinamen sofort erkennen können, worum es in der Notiz geht. Dabei vermeide ich lange und epische Bezeichnungen und halte mich stattdessen kurz. Denn in der Kürze liegt die sprichwörtliche Würze. Der Dateiname bzw. Titel einer Notiz ist folglich die kürzeste Form des Inhalts der Notiz. Alias-Bezeichnungen dürfen gerne auch etwas länger ausfallen. Strenge formale Regelungen, wie beispielsweise ein Nummerierungssystem mit Referenznummern, nutze ich nicht. Als Faustregel gilt meiner Meinung nach generell, dass man sich selbst nicht in ein zu enges Korsett zwängen sollte. Obsidian bietet als digitaler Zettelkasten ausreichend Flexibilität, so dass man sich auf eine sprechende Bezeichnung der Dateien fokussieren kann.

Und auch wenn es für die Bezeichnung der Dateien – also der Notizen – in meinem Zettelkasten keine formalen Regelungen (mehr) gibt, schreibe ich bei allen Notizen mit einem konkreten Bezug zu einem Datum im Kalender dieses natürlich auch in den Dateinamen. Tägliche Notizen bestehen beispielsweise nur aus dem Datum in der Schreibweise YYYY-MM-DD und wenn ich eine kurze Notiz zu einer Besprechung verfasse, dann steht das Datum am Beginn des Dateinamens, in etwa so: YYYY-MM-DD Besprechungsthema.

Schlagworten – Einordnungsproblematik vermeiden

Seit dem Auflösen der thematisch orientierten Ordnerstruktur in meinem Vault haben Schlagworte bzw. Tags mehr Bedeutung gewonnen. Sie beinhalten seither nämlich eine erste thematische Zuordnung der Notizen. Das Einordnungsproblem, das die Ordnerstruktur oftmals verursacht hat, ist insofern gelöst, als dass die Zuordnung einer Notiz auch zu mehreren Themen oder Wissensgebieten über die entsprechenden Schlagworte möglich ist. Zum Beispiel kann eine Notiz über das Problem der aperiodischen Monokacheln – im Englischen auch bekannt als Einstein-Form – zum einen dem mathematischen Thema der diskreten Geometrie und zum anderen dem Thema über das Design von Fliesen zugeordnet werden. Übrigens lohnt es sich langfristig, wenn man beim Vergeben von Schlagworten ein paar einfache Regeln beachte, wie den Verzicht auf verschachtelte Tagstrukturen, oder das Vermeiden von Leerzeichen in den Schlagworten.

Strukturnotizen – dynamisch & manuell

Strukturnotizen werden – wenn sinnvoll möglich – dynamisch mit Bases erzeugt. Allerdings hat das den Nachteil, dass die Links zu den Notizen zwar in der Bases-Datei angezeigt und angeklickt werden könne. Aber sie scheinen nicht als ordentliche Verweise auf und werden daher nicht in der Graph-Ansicht visualisiert, oder als Rückverweise bzw. Backlinks aufgelistet. Um diese Funktionen nutzen zu können, muss man der Strukturnotiz die Verweise zu anderen Notizen manuell hinzufügen. In Obsidian lässt sich das recht einfach mit Wiki-Links bewerkstelligen.

Fazit

Für die Struktur in einem digitalen Zettelkasten – ob man das mit Obsidian oder einer anderen App machen will, ist tatsächlich nebensächlich – braucht’s meiner Meinung nach weder eine thematische Stellordnung der Notizen mit Ordnern, noch ein dogmatisches Nummerierungssystem. Mehr als eine Handvoll grundlegender, organisatorischer Festlegungen sind nicht erforderlich. Der Rest entsteht organisch heterarchisch und weniger durch Struktur und Planung. Man kann daher auch im digitalen Zettelkasten zunächst einmal einfach loslegen, das durch die Nutzung entstehende Chaos annehmen und dann eine Struktur hinzufügen, die darauf basiert, wie das eigene Gehirn die Dinge auf natürliche Weise verbindet.

Quellen & Links

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