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Qualität im digitalen Zettelkasten messen

Entwickelt man Luhmann’s Auffassung von der Qualität einer Notiz weiter, dann wird die Qualität im digitalen Zettelkasten durch den Grad der Vernetzung und der thematischen Zuordnung von Notizen bestimmt. Mit Obsidian kann man die Zahlen dafür messen und daraus die Zettelkastenqualität berechnen.


Niklas Luhmann war der Auffassung, dass die Qualität einer Notiz durch die Anzahl der Verweise im Zettelkasten bestimmt wird. Er spezifizierte dabei allerdings nicht, ob es sich um ausgehende Verweise von dieser Notiz handelt, oder um eingehende Verweise – also Rückverweisen bzw. Backlinks. Jedenfalls kann man diese Auffassung auch so interpretieren, dass viele Verweise von einer Notiz zu anderen eine hohe Qualität im Zettelkasten bedeuten. Und betrachtet man deshalb der Einfachheit halber nur die ausgehenden Links von einer Notiz könnte man weiters interpretieren, dass die Qualität des gesamten Zettelkastens durch eine möglichst hohe Anzahl an Notizen mit zumindest einem ausgehenden Verweis bestimmt wird.

Outlink Health

Nick Milo hat das in einem seiner Newsletter im vergangenen Sommer aufgegriffen. Er meint, dass er die Qualität in seinem PKM-System mit dem Quotienten aus der Anzahl der Notizen mit Outlinks bezogen auf die Anzahl der Notizen ohne Outlinks berechnen kann und bezeichnet diesen Quotienten mit Outlink Health. Bei ihm beträgt dieser Faktor zwischen 4,1 und 6,1 – je nachdem, ob er seine täglichen Notizen mit einbezieht, oder nicht. Er schließt daraus, dass alle Outlink Health-Werte über 4,0 akzeptabel sind, räumt aber auch ein, dass er nicht weiß, ab welchem Wert die Outlink Health zu niedrig ist. Jedenfalls gibt es seiner Meinung nach eine starke Korrelation zwischen nicht verknüpften Notizen und einem fragilen, ungesunden PKM-System.

Die Anzahl der Notizen mit und jene ohne ausgehende Links für die Berechnung der Outlink Health ermittelt Nick Milo mit einer Bases-Datei, die er LINK HEALTH base nennt und auch zum Download zur Verfügung stellt. Diese Bases-Datei beinhaltet zwei Ansichten: In der ersten Ansicht werden die Notizen aufgelistet, die einen Link zu einer anderen Notiz haben. Die zweite Ansicht zeigt nur Notizen an, die noch keinen Verweis zu einer anderen Notiz beinhalten.

Zettelkastenqualität

In meinem digitalen Zettelkasten liegt die Outlink Health zwischen 1,3 und 5,9 – ohne bzw. mit Berücksichtigung der täglichen Notizen. Allerdings habe ich kein Gefühl dafür, wie aussagekräftig diese Zahl tatsächlich ist. Und weil ich meine täglichen Notizen intensiv auch als ebensolche und somit für den zentralen Wissenseingang in meinem digitalen Zettelkasten nutze, möchte ich sie eigentlich mit einbeziehen. Auch fehlt mir im Ansatz von Nick Milo das Einbeziehen von Schlagworten, also die thematische Zuordnung von Notizen. Denn das kann ein zusätzlicher Indikator für eine gute Qualität im Zettelkasten sein. Also habe ich nach einer anderen Möglichkeit gesucht, um die Qualität in meinem digitalen Zettelkasten messbar zu machen.

Zu diesem Zweck habe ich die Bases-Datei von Nick Milo nachgebaut, erweitert und Zettelkastenqualität.bases genannt. Diese Bases-Datei kann hier heruntergeladen werden. Sie ermittelt vier verschiedene Zahlen in vier Ansichten: Zunächst wird die Anzahl aller Notizen im Vault ermittelt, dann jene mit zumindest einem ausgehenden Link, sowie jene ohne ausgehende Links und schließlich auch noch die Anzahl der Notizen mit zumindest einem Schlagwort. Dabei werden Dateien in den Ordnern Vorlagen und Excalidraw nicht mit einbezogen. Und es werden lediglich Notizen, also Dateien mit der Endung *.md berücksichtigt. Das bewirkt, dass Dateianhänge, wie beispielsweise Bilder und PDF-Dateien nicht mit gezählt werden.

Die vier Ansichten der Bases-Datei zum Messen der Qualität im Zettelkasten
Die vier Ansichten der Bases-Datei zum Messen der Qualität im Zettelkasten

Der Grad der Vernetzung im digitalen Zettelkasten ist nach meinem Verständnis der eingangs erwähnten Luhmann’schen Auffassung das Verhältnis der Notizen mit zumindest einem ausgehendem Link zur Gesamtanzahl der Notizen im Vault. Das Ergebnis ist eine Prozentzahl, die möglichst groß sein sollte. Im Gegenzug sollte der Anteil jener Notizen im Vault ohne ausgehende Links in Relation zur Gesamtzahl der Notizen möglichst gering sein. Auch die thematische Zuordnung über Schlagworte sollte meiner Meinung nach mit einbezogen werden und zwar in Form des Verhältnisses aus der Anzahl der Notizen mit zumindest einem Schlagwort zur Gesamtanzahl der Notizen im Vault. Sie gibt den Grad der thematischen Zuordnung im digitalen Zettelkasten ebenfalls in Prozent an.

In meinem digitalen Zettelkasten beträgt der Grad der Vernetzung ca. 86 %. Diese Zahl ergibt sich aus dem Quotienten der Anzahl an Notizen mit zumindest einem ausgehendem Link (4.860) und der Anzahl aller Notizen im Vault (5.683). Das Verhältnis der Notizen ohne ausgehenden Link (823) und der Anzahl aller Notizen beträgt ca. 14 %.
Der Grad der thematischen Zuordnung ergibt sich aus dem Quotienten der Anzahl an Notizen mit zumindest einem Schlagwort (5.207) und der Anzahl aller Notizen im Vault (5.683) und beträgt ca. 92 %.

Die Qualität im digitalen Zettelkasten ergibt sich nun vereinfacht und überschlägig aus dem arithmetischen Mittel des Grades der Vernetzung und des Grades der thematischen Zuordnung. In meinem digitalen Zettelkasten liegt die Qualität bei 89 %.

Fazit

Je höher die Prozentzahl für die Qualität im digitalen Zettelkasten ist, umso höher ist auch der Grad der Vernetzung und der thematischen Zuordnung. Ab welchem Qualitätswert man von einer hohen Qualität sprechen kann, kann ich nicht sagen. Aber ich würde vermuten, dass ein Wert über 75 % ein guter Indikator für ausreichend Vernetzung und thematische Zuordnung ist. Zu beachten wäre meiner Meinung nach aber auch, dass man jetzt nicht versucht, alles und jede Notiz krampfhaft zu verlinken, oder mittels Schlagworten einem oder mehreren Themen zuzuordnen. Denn das Ziel ist es nicht, 100 % Zettelkastenqualität zu erreichen, sondern Wissen in Form von Notizen so im digitalen Zettelkasten zu vernetzen, dass es leicht abrufbar ist und auch in Zukunft nutzbar bleibt.

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