Ideen entstehen im digitalen Zettelkasten mit Obsidian nicht nur durch Geistesblitze, sondern können durch Erfassen, Kultivieren und Organisieren stufenweise strukturiert entwickelt werden.
Die besten Ideen kommen meist ganz spontan und eher zufällig. Zum Beispiel unter der Dusche oder beim Morgenspaziergang. Ganz egal, wann und wo man eine Idee hat, sollte man sie jedenfalls festhalten – also aufschreiben, um später darauf zurückkommen und die Idee weiter entwickeln zu können. Im digitalen Zettelkasten kann man den Zufall allerdings ein wenig steuern und Ideen in drei Stufen nicht nur aus Geistesblitzen, sondern auch aus bereits vorhandenen Informationen entwickeln – beispielsweise durch Schreiben und während dem Lesen, sowie beim Exzerpieren und Notieren.
Entwicklungsstufe 1 – Erfassen
Auf der ersten Stufe werden werden zunächst neue Inhalte einfach aufgeschrieben, also textlich erfasst. Das dient primär dem Zweck des Erinnerns an die neu hinzugefügten Inhalte, weshalb das Erfassen mit möglichst einfachen Methoden in einer neuen Schnellnotiz, wie beispielsweise mit der Outlining- bzw. Gliederungsmethode erfolgt. Anschließend können diese Schnellnotizen mit einer der Nachbearbeitungsmethoden zu neuen Hauptnotizen ausgearbeitet werden.
Entwicklungsstufe 2 – Kultivieren
Das Verlinken und Verschlagworten der Notizen erfolgt im Zuge des Kultivierens auf der zweiten Entwicklungsstufe. Dabei erstellt man Verzweigungen und Verweise zu anderen Notizen und versieht die neue Hauptnotiz mit Schlagworten. Zudem können die Inhalte verfeinert und erweitert werden. Dieser Schritt dient dem Verstehen und Anwenden des neu hinzugefügten Wissens.
Entwicklungsstufe 3 – Organisieren
Schließlich werden auf der dritten Entwicklungsstufe themenbezogene Strukturnotizen erstellt, in die alle zum Thema passenden Hauptnotizen verlinkt werden – also eine Sammlung von Links zu anderen Notizen eines bestimmten Themenbereichs. Dieses Organisieren umfasst neben dem Einfügen in Strukturnotizen auch das Vernetzten der neuen Inhalte untereinander, sowie mit anderen, bereits vorhandenen Notizen mittels Verweisen bzw. Links. In diesem Schritt erfolgt das Anwenden, Analysieren und Evaluieren des neu hinzugefügten Wissens.

Ein kurzes Beispiel
Bei Recherchearbeiten zum österreichischen Mathematiker und Philosophen Kurt Gödel werden dazu Notizen auf der ersten Entwicklungsstufe angelegt. Dabei entdeckt man neben seinen herausragenden Leistungen auf den Gebieten der Zahlentheorie, Komplexitätstheorie, Relativitätstheorie und zur theoretischen mathematischen Logik auch seine Beiträge zur Philosophie, verlinkt diese auf der zweiten Entwicklungsstufe und fügt sie mit Schlagworten den Themenbereichen #Mathematik und #Philosophie hinzu. Im Zuge des Anfertigens einer Strukturnotiz zu Kurt Gödel auf der dritten Entwicklungsstufe kommt eine ältere Notiz zum Thema Zeiteinteilung zum Vorschein, in der man sich vor einiger Zeit die Maximen über die Zeiteinteilung aus den philosophischen Notizbüchern von Kurt Gödel notiert hat. Und weil das für dieses Thema nach wie vor interessant ist, stellt man nun auch gleich die Verbindung zur populären Tagesplanung von Benjamin Franklin her und entwickelt daraus die Idee, die eigene Tagesplanung zu adaptieren und zum Thema Zeiteinteilung und Tagesplanung einen Blogbeitrag zu verfassen.
In Obsidian kann mit dem lokalen Graph die Vernetzung einer Notiz mit Schlagworten, Dateien und anderen Notizen visualisiert werden und man hat so die Möglichkeit, Zusammenhänge und sich daraus ergebende Ideen auch grafisch zu erfassen.

Fazit
Ideen im digitalen Zettelkasten werden durch das Erkennen von Zusammenhängen entwickelt, welche wiederum durch das Vernetzen der Inhalte in den Notizen geschaffen werden. Der digitale Zettelkasten ist also ein vernetztes Ökosystem des Denkens, das durch Verlinken und Verschlagworten von Informationen entsteht und so zu neuen Ideen führt, aus denen neues Wissen kreiert werden kann.
