Das reine Textformat enthält keinerlei Formatierungen wie fett, kursiv, unterstrichen oder gar verschiedene Schriftarten. Plain Text, wie's im Englischen so schön heißt, ist so konzipiert, dass die damit erzeugten Dateien von Menschen und Maschinen gleichermaßen gelesen werden können. Zugleich ist reiner Text das älteste Format in der elektronischen Datenverarbeitung. Das bedeutet, dass man eine 40 Jahre alte Textdatei auch heute noch genauso gut lesen und bearbeiten kann, wie damals in den 1980er Jahren. Reine Textdateien sind somit dauerhaft und zudem plattformunabhängig verfügbar. Im Laufe der Zeit hat sich das reine Textformat weiterentwickelt. Beispielsweise ist das weit verbreitete Rich Text Format von Microsoft daraus entstanden. Und mit Markdown wurde eine einfache und dennoch gut lesbare Auszeichnungssprache entwickelt, mit der man dem reinen Textformat die fehlenden Formatierungen verpassen und sogar Bilder und Links einfügen kann. Die Formatierungs- bzw. Auszeichnungselemente von Markdown ergeben bereits vor der Konvertierung einen gut lesbaren Text und stören daher den Textfluss kaum. Und Markdown-Dateien können, so wie reine Textdateien auch, mit jedem Texteditor gelesen und bearbeitet werden.
Aber was haben nun das reine Textformat bzw. Markdown und Produktivität miteinander zu tun? Solange es Textdateien gibt, werden diese natürlich auch für Notizen genutzt. Bestandteil dieser Notizen können unter anderem Aufgabenlisten, Termine und Kalendereinträge sein. Es gibt sogar verschiedene Methoden zu diesem Zweck, wie Todo.txt oder Calendar.txt, samt speziellen Apps dafür. Man kann also die gesamte Planung und Organisation für die eigene Produktivität in Form von Textdateien bewerkstelligen. Und selbstverständlich klappt das auch im Markdown-Format - damit sogar noch besser, aufgrund der einfachen, aber wirkungsvollen Formatierungsmöglichkeiten.
Seit mittlerweile drei Jahren sind Aufgabenmanagement und Tagesplanung im Markdown-Format mit den täglichen Notizen in Obsidian fester Bestandteil meines Alltags. Jüngst ist in diesem Herbst mit Kalender.md auch die kalendarische Planung dazu gekommen und somit die letzte Lücke geschlossen worden, die für eine rein textbasierte Planung und Organisation noch zu füllen war. Markdown Productivity nenne ich diese Methode und fasse unter diesem Begriff das Planen und Organisieren von Terminen, Aufgaben und Projekten im reinen Textformat mit einer einfachen Markdown-Syntax zusammen.
Für Markdown Productivity braucht's nicht viel. In der täglichen Notiz, die wie ein Logbuch mit der Bullet Journaling-Methode geführt wird, werden basierend auf einer Tagesstruktur und dem Simple-Planning-Ansatz Termine und Ereignisse mittels Kalender.md, sowie die zu erledigenden Aufgaben in chronologischer Reihenfolge eingetragen. Dabei versuche ich Systematik und Formatierung so einfach und simpel wie möglich zu halten. Und das Schöne an dieser Einfachheit ist, dass die Planung meiner Projekte und Aufgaben, sowie meine Zeiteinteilung in einfachen Textdateien - den täglichen Notizen - erfolgen. Textdateien, die nicht nur mit Obsidian gelesen und bearbeitet werden können, sondern natürlich auch mit jedem anderen Texteditor. Deshalb werfe ich auch von Zeit zu Zeit immer wieder einen Blick mit einem anderen Editor darauf. Schließlich sind diese Dateien wichtiger, als die Apps, mit denen sie erstellt oder betrachtet werden. Denn falls Obsidian morgen urplötzlich verschwinden würde - was heute zwar ziemlich unrealistisch erscheint - dann könnte ich einfach mit einem anderen Texteditor weitermachen - dann natürlich mit ein paar App-spezifischen Optimierungen.