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Die neue Ö-Norm B 1801-1 oder das „Ende der Baukostenüberschreitungen“

Ein überaus martialischer Titel für einen kurzen Artikel in der Österreichischen Bauzeitung (Ausgabe 28/29-2009) über die neue Ö-Norm B 1801-1, die seit 01.06.2009 unter anderem die Baukostengliederungen normiert. Und vielleicht auch ein wenig übertrieben? Denn schließlich kann eine Norm, die Strukturen zur Unterstützung im Bauprojektmanagement vorgibt, noch alleine keine Kostenüberschreitungen verhindern und schon gar nicht deren Ende markieren.

Dabei hat es die neue B 1801-1 wirklich in sich, denn sie ist – anders als die Vorgängerversion aus 1995 – keine reine Kostengliederungsnorm mehr. Das ist schon am Titel klar erkennbar, der nunmehr „Bauprojekt- und Objektmanagement, Teil 1: Objekterrichtung“ lautet. Neben einer neuen Gliederungssystematik in Anlagen-, Bau- und Leistungsgliederung umfasst die neue Norm auch Planungs- und Gliederungssysteme für die Qualitäts-, Kosten- und Terminplanung. Zudem sind auch eine Dokumentationsgliederung für eine einheitliche, geordnete Dokumentation und ein eigenes Kapitel zur Kennwertbildung enthalten.

Es werden also mit der neuen B 1801-1 erstmals einheitliche Gliederungssysteme für die Kosten-, Termin- und Qualitätsplanung normiert, was eigentlich eine grundlegend gute Idee ist. Aber warum wurden dann nicht konsequent ein für diese Systeme geeignetes Phasenmodell integriert und dabei eine Harmonisierung der Begriffswelt aus dem „allgemeinen“ Projektmanagement angestrengt? Noch immer ignoriert die B 1801-1 die zum Beispiel in der alten Honorarleitlinie für Projektsteuerung definierten fünf Projektphasen eines Bauprojektes und propagiert weiterhin den direkten Übergang von der Entwurfs- in die Ausführungsphase, ohne die bei Bauprojekten so wichtige Ausführungsvorbereitungsphase zu berücksichtigen. Was der neuen B 1801-1 auch fehlt, ist eine prozessuale Darstellung der Kostenermittlungsschritte und deren gegenseitige Beeinflussung. Das ist aber auch ohne ein vollständiges Projektphasenmodell eigentlich gar nicht möglich.

Da hilft auch der Ausblick auf das sicher spannende Thema der visuellen Ausschreibung im eingangs zitierten Artikel nicht …

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