Projektmanagement
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Gebäude(funktionen) durch Subtraktion verbessern

In einem Artikel aus dem ProjektMagazin.de bin ich auf die Subtraction-Technik aufmerksam geworden. Mit dieser Technik, die von zwei US-Amerikanern entwickelt wurde, sollen Innovationen und Produktverbesserungen durch bewusstes Weglassen bzw. Eliminieren von Funktionen erzielt werden. Natürlich hat sich mir schon beim Lesen des Artikels die Frage aufgedrängt, ob diese Technik auch auf die Produktentwicklung von Gebäuden anwendbar wäre. Dazu hier ein paar Ideen und Gedanken … 

Die Planung eines Gebäudes ist dem Grunde nach ein Produktentwicklungsprozess wie jeder andere auch. In mehreren Iterationsschritten wird das Produkt (= Gebäude) stetig in interdiziplinärer Zusammenarbeit entwickelt, verfeinert bzw. im Detail ausführungsreif geplant und schließlich gebaut. Am Beginn dieser Gebäudeproduktentwicklung steht meist die Erstellung eines so genannten Raum- und Funktionsprogramms, kurz auch RFP genannt. Dieses RFP stellt im späteren Planungsprozess eine wesentliche Grundlage dar, weil darin meist in tabellarischer Form Vorgaben über die zu errichtenden Räume im Gebäude hinischtlich deren Größe, Lage zueinander, Funktionsumfang (z.B. Foyer mit integriertem Garderobenbereich und der Möglichkeit zum Ausrichten von Empfängen inkl. Catering für maximal 300 Personen) sowie Oberflächenqualitäten (z.B. Bodenbelag, Wandverkleidungen, etc.) und gebäudetechnischer Anforderungen (z.B. mechanische Be-/Entlüftung, Klimatisierung, etc.) enthalten sind.

Die Entwicklung des RFP erfolgt noch vor dem Planungsbeginn in einem mehr oder weniger intensiven Prozess durch den Projektauftraggeber zusammen mit den späteren Nutzern des Gebäudes. Idealerweise wird dieser Prozess in mehreren aufeinander aufbauenden Workshops abgewickelt und zum Beispiel vom späteren Projektmanager oder einem externen sach-/fachkundigen Berater moderiert. Die hier vor kurzem erwähnte Lean-Coffee-Methode ist übrigens eine gut geeignete Moderationsmethode für solche RFP-Workshops.

Die Subtraction-Technik würde nun eine Möglichkeit bieten, ein in Form eines RFP abstrakt beschriebenes Gebäude in einem weiteren Verfeinerungsschritt durch bewusstes Weglassen einer oder mehrerer zentraler Komponenten zu verbessern bzw. zu optimieren. In dem eingangs erwähnten Artikel aus dem ProjektMagazin.de werden der Prozess und die Arbeitsschritte der Subtraction-Technik wie folgt beschrieben:

Im Rahmen eines Kreativ-Workshops lässt sich die Technik mit dem Projektteam einsetzen, aber prinzipiell ist es auch möglich, die Methode nur zu zweit oder sogar alleine anzuwenden. Im Kern besteht die Subtraction-Technik aus drei Schritten:
1. Die zentralen Komponenten eines Produkts notieren.
2. Jeweils eine Komponente gedanklich entfernen, während die anderen funktionstüchtig bleiben müssen.
3. Ideen entwickeln, wie das Produkt ohne die entfernte Komponente weiterhin funktioniert.

Dazu ein kurzes, einfaches Beispiel:
Für den weiter oben erwähnten Foyerbereich in einem Veranstaltungszentrum, der zugleich auch ausreichend Platz für Garderobe und Empfänge inkl. Catering für maximal 300 Personen bieten soll, fallen einige Quadratmeter an Fläche an, die auch in entsprechender Qualität und gebäudetechnischer Ausstattung errichtet werden müssen. Durch Weglassen der wesentlichen Komponente “Empfänge inkl. Catering für maximal 300 Personen” wird der Foyerbereich samt Garderobe für das Veranstaltungszentrum seine zentrale Funktion auch erfüllen und vermutlich um einiges kleiner ausfallen können. Die Empfänge inkl. Catering für maximal 300 Personen könnten beispielsweise in einen der an den Foyerbereich angrenzenden Veranstaltungssäle integriert werden, die ohnehin bereits auf derartige Personenzahlen ausgelegt sind. Vielleicht wäre es sogar denkbar, einen der angrenzenden Veranstaltungssäle durch entsprechende Schiebetoreinrichtungen soweit zum Foyer hin zu öffnen, dass derartige Empfänge noch leichter untergebracht werden können.

In diesem einfachen Beispiel wurden im ersten der oben beschriebenen drei Schritte aus der Subtraction-Technik für das Foyer des Veranstaltungszentrums die zentralen Komponenten “Garderobe” und “Empfänge inkl. Catering für maximal 300 Personen” identifiziert. Im zweiten Schritt wurde die Komponente “Empfänge inkl. Catering für maximal 300 Personen” weggelassen und im dritten Schritt dann Lösungen entwickelt, wie das Produkt “Veranstaltungszentrum” ohne die aus dem Foyerbereich subtrahierte Komponente die Anforderungen dennoch erfüllen kann.

Mit Hilfe der Subtraction-Technik können also durchaus in einem der Workshops zur Entwicklung des Raum- und Funktionsprogramms Optimierungen und Verbesserungen am und im Gebäude durch bewusstes Weglassen (= Subtrahieren) von zentralen Gebäudefunktionen bzw. -komponenten erzielt werden.

Artikelbild: “F. L. Wright – Fallingwater” von Matija Grguric auf flickr.com

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