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Ein-Computer-Lifestyle

Lesedauer: 3 Minuten

Apple baut tolle Computer. Das ist unbestritten schon gefühlt seit jeher so. Und es gibt für jeden ein passendes Gerät im Produkt-Line-up. Das war unbestritten nicht immer so. Aber seit ein paar Jahren ist es sogar so, dass Nutzer von Apple’s tollen Geräten derer mehrere täglich in Gebrauch haben. Das freut natürlich Apple und machte das kalifornische Unternehmen zu einem der wertvollsten der Welt.
Doch wäre es nicht schön, alles was man im Alltag zu erledigen hat, auf nur einem einzigen Gerät bewerkstelligen zu können. OK, das Smart- bzw. iPhone lassen wir dabei außen vor und beschränken uns auf Computer und Tablets. Aber warum ist das eigentlich so, dass ich für meine tägliche Arbeit ein MacBook und ein iPad brauche? Ginge das, was ich damit zu tun habe, nicht auch mit nur einem von den beiden?

Sowohl das MacBook, als auch das iPad haben jeweils ihre Stärken. Das MacBook ist ein vollständiger, mobiler Computer, die aktuellen MacBook Pros sind schon fast Hochleistungsrechner. Das iPad bietet mit iPadOS eine intuitiv einfache Bedienung, seit ein paar Jahren auch mit einem Stift und sogar mit Tastatur samt Maus, was ganz neue Möglichkeiten eröffnet hat. Mit der Pro-Reihe für beide Geräteklassen spricht Apple nicht nur professionelle Computer-Nutzer direkt an, sondern bietet ihnen auch überaus leistungsstarke Geräte.

Die Bedienung des iPad wahlweise mit dem Finger, Stift oder Tastatur und Maus ist großartig. Es macht das iPad, das eigentlich ein Tablet ist, zu einem modularen Computer. Von der Haptik her wirkt das iPad zudem deutlich robuster und somit auch widerstandsfähiger als ein MacBook. Noch dazu, wenn es in einem Magic Keyboard steckt. Während man beim Transport eines MacBooks immer irgendwie die Sicherheit des zugeklappten Displays im Hinterkopf hat, braucht man sich gefühlt darüber bei einem iPad eigentlich kaum Sorgen zu machen.

Auch was die Auswahl an Software betrifft, steht das iPad dem Mac(Book) kaum in etwas nach. Nahezu alles, was man auf einem Mac machen kann, lässt sich dank einer Vielzahl an Apps auch am iPad erledigen. Zumindest, wenn es um alltägliche Anwendungen geht, wie beispielsweise E-Mails beantworten, Notizen erstellen, an einem Textdokument arbeiten, etc. Sogar aufwändigere Tätigkeiten, wie das Schneiden von Videos oder per Remote-Desktop-Verbindung auf den Windows-PC im Büro zugreifen klappen bequem vom iPad aus.

Während das iPad seit seiner Markteinführung 2010 hinsichtlich Rechenleistung und Software konsequent in Richtung Mac entwickelt wurde, bekamen auch der Mac und sein Betriebssystem macOS ein paar Elemente dieser Entwicklung ab. Nicht nur im optischen Bereich, wie beispielsweise beim Design der App-Icons, sondern auch bei den Apps selbst, wie die jüngsten Versionen von Kurzbefehle (Shortcuts), Notizen, Erinnerungen oder Musik gezeigt haben. Hinsichtlich Hardware und Performance hat allerdings der Mac mit den neuen M1-Chips wieder etwas die Nase vorne, was man nicht zuletzt auch an den Zuwächsen im Verkauf erkennen kann. Und obwohl Apple nicht ganz ohne Eigennutzen das Software-Ökosystem weitgehend harmonisiert, damit alle hauseigenen Dienste auf allen Geräteplattformen nahtlos und in annähernd gleicher Art und Weise verwendet werden können, gibt es hinsichtlich einiger Funktionen im Betriebssystem eine unsichtbare magische Grenze, die aus keiner Richtung überschritten wird.

In meinen täglichen Arbeitsabläufen stoße ich immer wieder an diese magische Grenze. Zum einen beim Dateimanagement und zum anderen durch den fehlenden Support externer Bildschirme. Das Dateimanagement ist am iPad mitunter umständlich und kompliziert. Und dass beim Anschließen des iPad – selbst des Pro-Modells – an einen externen Bildschirm lediglich der Bildschirminhalt in einem schrecklichen 4:3-Format gespiegelt wird, ist überhaupt nicht nachvollziehbar.

Aber auch das Multitasking ist am iPad in Wahrheit nicht in der selben Form möglich, wie auf einem Mac. Das führt zum Beispiel immer dann zu einer Unterbrechung der Videoübertragung, wenn man während der Videokonferenz in eine andere App wechselt, um dort etwas zu notieren oder nachzusehen. Und dann gibt es noch ein paar Feinheiten, wie beispielsweise die fehlende Funktion zum Formatieren externer Datenträger, oder die eingeschränkten Möglichkeiten zur Gestaltung des Homescreens und des Docks. Denn dort mal eben schnell eine Datei ablegen klappt einfach nicht.

All das fehlt, um das iPad als vollwertigen Computer nutzen zu können. Da müsste Apple bei der Weiterentwicklung in Hinkunft das Hauptaugenmerk weniger auf die ohnehin schon beeindruckende Hardware und mehr auf iPadOS legen. Es wird sicher spannend werden, was Apple bei der WWDC in der übernächsten Woche an Neuigkeiten rund um iPadOS und das iPad präsentieren wird. Aber ob Apple motiviert genug ist, iPadOS noch einen Schritt produktiver zu gestalten, so lange sich MacBook und iPad gut verkaufen lassen, ist berechtigterweise fraglich. Wenn ich mir jedoch vor Augen führe, wie gerne ich seit letztem Herbst wieder mit einem MacBook Pro arbeite, ist es für mich fraglich, ob sich weiterhin die Anschaffung eines iPads lohnt. Oder ob das iPad als Tablet nicht das Gerät ist, auf das ich bei meiner täglichen Arbeit eigentlich verzichten kann. Denn so ein Ein-Computer-Lifestyle hat eben durchaus seinen Charme.

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