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Buch-Tipp: „Dein Ego ist dein Feind“ von Ryan Holiday

Grundsätzlich hat jeder Mensch ein Ego. Und daran ist auch nichts Verwerfliches. Wenn das Ego allerdings Stilblüten treibt, wie Stolz, Perfektionismus oder Gier, wenn es durch Selbstüberschätzung falsche Erwartungshaltungen schürt, wenn der einzige Antrieb das Bedürfnis nach Anerkennung ist, dann wird es problematisch. Genau dort setzt Ryan Holiday mit seinem Buch „Dein Ego ist dein Feind“ an und eröffnet mit vielen anschaulichen, aktuellen wie historischen Beispielen verschiedene Blickwinkel auf das Ego.

Der Autor Ryan Holiday ist noch jung. Als Jahrgang 1987 mit derzeit 35 Jahren sogar noch sehr jung. Trotz seinem jungen Alter hat er bereits einige Bücher veröffentlicht, darunter auch Bestseller wie „Trust Me, I’m Lying: Confessions of a Media Manipulator“ oder eben „Ego Is the Enemy“, wie der Buchtitel im englischen Original lautet. 2016 erschien neben „Ego Is the Enemy“ auch „The Daily Stoic“, das auf Platz eins der Wall Street Journal Bestseller-Liste landete. Sein 2014 erschienenes Buch „The Obstacle Is the Way“ hatte großen Einfluss im US-Sport, unter anderem bei den New England Patriots und den Seattle Seahawks. Es landete ebenfalls auf Platz eins der Wall Street Journal Bestseller. Im Oktober 2019 veröffentlichte Ryan Holiday mit „Stillness Is the Key“ sein bisher erfolgreichstes Buch, das es sogar auf Platz eins der New York Times Bestseller-Liste schaffte. Und bevor Ryan Holiday Autor wurde und seinen Buchladen – den Painted Porch Bookshop in Bastrop, Texas – eröffnete, war er Marketing-Direktor von American Apparel.

Einige der Bücher von Ryan Holiday habe ich schon länger auf meiner Leseliste. Warum ich genau „Dein Ego ist dein Feind“ heuer im Sommer als erstes davon gelesen habe, kann ich nicht erklären. Vielleicht lag’s am Titel, der mein Interesse geweckt hat. Jedenfalls habe ich mich beim Lesen darin an so mancher Stelle selbst erkannt. Vermutlich geht das den meisten Menschen so, wenn sie dieses Buch lesen. Und wahrscheinlich macht auch genau diese Allgemeingültigkeit den Erfolg des Buches aus. Die Menschen, die dieses Buch lesen, sollen sich angesprochen fühlen. Und das ist Ryan Holiday mit diesem Buch tatsächlich gelungen.

Schonungslos führt er vor Augen, wie sich unsere gesellschaftlichen Werte in eine Richtung entwickelt haben, die uns angetrieben durch Emotionen und Anspruchsdenken in eine Abhängigkeit von äußerer Bestätigung drängen. Er geht hart mit der Leidenschaft ins Gericht, aus der Eifer, Ehrgeiz und Gier – alles Vertreter eines ungesunden Egos – entspringen können. Gestützt auf ein Goethe-Zitat „Große Leidenschaften sind Krankheiten ohne Hoffnung“ erklärt Holiday, warum es besser ist, Bescheidenheit anstelle von Leidenschaft zu praktizieren. „Überlassen Sie die Leidenschaft den Amateuren“ postuliert er und leitet über zum Perfektionismus, sowie der damit oftmals einhergehenden Kontrollsucht. „Die Kraft und Mühe, die wir dafür einsetzten, sind reine Verschwendung“, meint er und beschreibt, wie übertriebener Perfektionismus sogar paranoid machen kann. Holiday räumt aber auch ein, dass gerade der Perfektionismus – wie andere Eigenschaften auch – oftmals in der Erziehung wurzelt, weil Menschen häufig ein Spiegelbild ihrer jeweiligen Vorfahren sind. Er streift die Psychologie des Narzissmus und der fragilen Selbstwertgefühle und erklärt gegen Ende des Buches, warum es wichtig ist, nicht nur aus den eigenen Erfahrungen zu lernen, sondern auch aus jenen der anderen. Schließlich kann – frei nach Bismarck – jeder Idiot aus den eigenen Erfahrungen lernen.

Besonders schön ist eine Textstelle, die so ziemlich am Beginn der zweiten Hälfte des Buches zu finden ist und in der Holiday Blake zitiert:

Ein berühmtes Gedicht von Blake beginnt mit den folgenden Versen: »In einem Sandkorn ist die Welt enthalten, und der Himmel in einer Blume, in deiner Hand siehst du den Kosmos walten, und Ewigkeit in einer Stunde.« Genau das möchten wir erreichen. Dass die Erfahrung von Transzendenz unser kleinliches Ego verunmöglicht.

Am Ende des Buches, auf der vorletzten Seiten fasst Ryan Holiday wunderbar zusammen, worauf es im Leben vor all dem ankommen soll, was gemeinhin für erfolgreich und erstrebenswert gehalten wird:

Eine ebenso beeindruckende Leistung aber ist: ein besserer Mensch zu sein, ein glücklicherer, ein ausgeglichener, ein zufriedenerer, ein bescheidenerer und ein selbstloserer Mensch.

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