Projektmanagement
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Die neue Ö-Norm B 1801-1

Am ersten Februar diesen Jahres ist eine aktualisierte Version der Ö-Norm B 1801-1 Bauprojekt- und Objektmanagement – Objekterrichtung erschienen. Die auf den ersten Blick eher unscheinbar und kosmetisch wirkenden Änderungen gegenüber der Vorgängerversion vom Dezember 2015, entpuppen sich erst beim genaueren Hinsehen.

Die wohl wesentlichste Neuerung ist die Aufnahme der fünf Projektphasen eines Bauprojekts in die Planungssysteme für Qualitäten, Kosten und Termine. In den Übersichtsgrafiken zu den Planungssystemen klaffen nun keine Lücken mehr zwischen Entwurfs- und Ausführungsphase und sind auch die Entwicklungs- und Vorbereitungsphasen klar und unmissverständlich zugeordnet.

Planungssystem nach Abb. 1 der Ö-Norm B 1801-1:2021

Die Aufnahme der Vorgaben für die im Projektverlauf zunehmende Genauigkeit von Kostenplänen stellt eine lange erwartete, in Hinkunft viele Diskussionen ersparende und daher sinnvolle Ergänzung dar. Die in der Norm vorgeschlagenen Schwankungsbreiten sind jedoch für den baupraktischen Alltag etwas zu hoch angesetzt.

Im Planungssystem Termine wurden in den Stufen der Terminplanung nun auch die jeweils zu erstellenden bzw. zugehörigen Terminpläne ergänzt. Dass allerdings ein Steuerungsterminplan sowohl als Grobterminplan und als Genereller Ablaufplan verstanden werden kann, liest sich noch etwas wie eine Kompromisslösung und sollte bei der nächsten Aktualisierung der Norm klarer und unmissverständlicher formuliert werden. Zumindest sind die in der Praxis gängigen Terminpläne (Rahmenterminplan, Steuerungsterminplan, Planungsterminplan, Vergabeterminplan, Ausführungsterminplan und Inbetriebnahmeterminplan) in der aktuellen Fassung der Norm einigermaßen brauchbar zugeordnet.

Die bisherige Anlagegliederung wurde in Objektgliederung umbenannt, was meiner Meinung nach schon vom Begriff her klarer wiedergibt, worum es geht. Die etwas unglücklichen Bezeichnungen Baugliederung, mit der eigentlich die Elementgliederung gemeint ist und Leistungsgliederung, die für die den Leistungsgruppen ähnliche Struktur steht, sind unverändert geblieben. In der Baugliederung wurde die Strukturtabelle in der Norm für jedes Element um eine Bezugseinheit und Bezugsgröße für die Berechnung ergänzt.

Der Gliederungsvorschlag für die Dokumentation wirkt nach wie vor unbeholfen – insbesondere im Hinblick auf eine as-built-Dokumentation mit BIM. Für die Dokumentation wäre in Hinkunft ein eigener Teil der B 1801-Normenfamilie sinnvoll.

Das Kennzahlensystem wurde umfassend überarbeitet und lehnt sich nun an die Ö-Norm B 1801-5 an. Bisher schwammige Kennwerte wie Materialkennwert oder Ökologiekennwert sind durch eindeutig mess- und berechenbare Kennzahlen, wie beispielsweise die Kostenkennzahlen für den Lebenszyklus oder die Effizienzkennzahlen zur Flächenausnutzung ersetzt worden.

Neben alledem gibt es eine deutlich übersichtlichere Darstellung des Inhaltsverzeichnisses, etwas mehr und umfangreichere Begriffsdefinitionen und einen erweiterten Anhang, der neben mehr Beispielen für die Terminplanung auch exemplarische Kostenpläne beinhaltet.

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