Technik

Tabellenkalkulation mit Obsidian

Zugegeben, die Überschrift klingt schon ein wenig reißerisch. Aber mit dem CalcCraft-Plugin kann man in Obsidian tatsächlich einiges mit Markdown-Tabellen anstellen, das an Tabellenkalkulation wie bei Numbers, Excel & Co. erinnert.

Seit Version 1.5 verfügt Obsidian über einen richtig guten Tabelleneditor, mit dem man bequem Tabellen im Markdown-Format erstellen und bearbeiten kann. Allerdings fehlen mathematische Funktionen. Natürlich ist klar, dass es sich bei Markdown primär um eine Formatierungssprache für das Layout von Texten handelt. Da spielen dann eben solche Funktionen keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Aber man kann das nachrüsten. Es gibt zu diesem Zweck gleich mehrere externe Erweiterungen. Eine davon ist CalcCraft.

Umfangreiche Mathe-Bibliothek

Nach der Installation des Plugins stehen die Berechnungsfunktionen, die auf der open source Bibliothek mathjs aufbauen, in allen Tabellen zur Verfügung. Zur besseren Orientierung werden Spalten mit lateinischen Kleinbuchstaben und Zeilen mit arabischen Zahlen nummeriert. Dieses Koordinatensystem für die Zellen in den Tabellen steht allerdings nur in der Leseansicht zur Verfügung.

Während dem Bearbeiten einer Tabelle bzw. in der Quellcode-Ansicht werden die Formeln eingegeben und bleiben sichtbar. Mit den Formeln können einzelne Zellen referenziert oder Zellenbereich beispielsweise für eine Summenberechnung definiert werden.

Erst beim Verlassen des Bearbeitungsmodus oder nach dem Wechsel in den Lesemodus einer Datei werden die Formeln ausgewertet und durch die berechneten Werte ersetzt.

Vielfältige Einstelloptionen

Das CalcCraft-Plugin bietet einige Einstellmöglichkeiten. Insbesondere für die Farbauswahl stehen hier sowohl für den hellen, als auch den dunklen Modus mehrere Optionen zur Verfügung. Damit lassen sich Zellen auf unterschiedliche Arten farbig hervorheben, wenn man den Mauszeiger darüber bewegt, oder wenn sie eine fehlerhafte Formel beinhalten.

Auch die Dezimalstellen können definiert werden. Üblicherweise sind vermutlich zwei Nachkommastellen meistens ausreichend, aber man kann hier natürlich auch deutlich mehr Stellen rechts vom Komma anzeigen lassen. Übrigens muss das Komma in der englischen Schreibweise, also ein Punkt sein, damit CalcCraft korrekt arbeiten kann.

Mit show labels werden die Spalten- und Zeilenbeschriftungen ein- oder ausgeschaltet. Und bei aktiviertem show formula cell borders werden Zellen, die Formeln beinhalten, farbig umrahmt. Das kann man sich allerdings auch gut und gerne sparen, wenn man die Einstellung formula’s cell color aktiviert hat. Die übrigen Optionen sind im Einstellungsdialog gut erklärt.

Nachteile

Der größte Nachteil von Berechnungen in Markdown-Tabellen ist, dass die Ergebnisse erst dann sichtbar werden, wenn man bei aktivierter Live-Ansicht nicht mehr in der Tabelle selbst editiert oder die Quellcode-Ansicht der Markdown-Syntax durch einen Wechsel in den Lesemodus verlässt.

Ein weiterer, wesentlicher Nachteil bei der Arbeit mit CalcCraft ist, dass die Formeleingabe dadurch erschwert wird, dass beim Editieren der Tabelle die Koordinatenangaben für die Zellen ausgeblendet werden.

Das einfache Weiterkopieren von eingegeben Formeln, die sich beispielsweise in einer Spalte nach unten weiter wiederholen, ist nicht möglich. Das führt durchaus zu umständlichen Eingabewiederholungen, die natürlich auch die Fehlerquelle in den Formeln erhöhen können.

Fazit

Obsidian ist primär ein Werkzeug für Text und textbasierte Daten. Wenn mal eine Berechnung oder eine Tabellenkalkulation ansteht, dann gibt es dafür sicher bessere und professionellere Apps. Die Darstellung von Daten in Tabellen ist allerdings auch beim Schreiben von Texten interessant. Aber dort werden dann meistens Ergebnisse präsentiert und seltener die Berechnungen an sich durchgeführt.

Wer jedoch beispielsweise eine einfache Tabelle für das Erfassen der persönlichen Ausgaben in Obsidian erstellen möchte, für den ist CalcCraft genau die richtige Erweiterung, um das zu bewerkstelligen. Darüber hinaus sind auch deutlich komplexere Berechnungen, wie beispielsweise Matrixoperationen möglich.