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Hyper-Scheduling

Hyper stammt aus dem Altgriechischen und steht für „über, oberhalb“ in Wortzusammensetzungen. Scheduling ist das englische Wort für Termin- bzw. Zeitplanung. Hyper-Scheduling bedeutet also soviel wie eine sehr intensive Über-Zeitplanung. Bei dieser Art der Planung werden alle Aufgaben und Termine in einen (oder mehrere digitale) Kalender eingetragen. Voraussetzung dafür ist genaues timeblocking, also das Blockieren von Zeitfenstern bzw. das Einteilen der täglich verfügbaren (Arbeits)Zeit in mehrere verschiedene Blöcke. Aber macht es Sinn, alle Aufgaben und Termine im Kalender einzutragen?

Bei meiner Arbeit mit verschiedenen Projektleitern und auch Kollegen aus dem Lehrkörper an der FH, sowie Studierenden habe ich unterschiedliche Ausprägungen von Hyper-Scheduling gesehen und beobachten können. Die extremsten Ausprägungen von Hyper-Scheduling sahen dabei ungefähr so aus:

  • Jeder Termin wird in zwei Farben (beruflich und privat, z.B. grün und blau) im Kalender eingetragen. Soweit so gut.
  • Jede Aufgabe wird exakt in ihrer geschätzten Dauer in einer weiteren Farbe (z.B. orange) ebenfalls wie ein Termin im Kalender eingetragen.
  • Weiße Flecken im Kalender führen bei den betroffenen Anwendern zu Unbehagen und sollen daher vermieden werden.

Es entsteht also ein buntes Mosaik an unterschiedlichen Kalendereinträgen. Man kann das sowohl in Papierform als auch elektronisch in einer Kalender-App machen. In einem Blogartikel schreibt David Sparks über seine Erfahrungen mit dem Hyper-Scheduling. Und warum für viele Menschen (auch für mich) diese extreme Form der Tagesplanung scheitert, bringt diese Rückmeldung und die daraus gefolgerte Erkenntnis auf den Punkt:

“Dear Dave, I tried your nerdy block schedule thing, but it was a bust by lunchtime. Even though I spent a bunch of time planning my day, nothing was getting done on time and I had to abandon it.” The reason for this particular problem is our shared inability to estimate how long it takes to get work done. If you try block scheduling but make the blocks too short, you’ll make yourself crazy.
Hyper-scheduling requires time and space.

Aber woher kommt Hyper-Scheduling und worin liegt der Nutzen? Man kann doch auch einfach mit einer Aufgabenliste (oder mehreren) arbeiten. Auf der Suche im Internet bin ich auf den Kalender von Benjamin Franklin gestoßen. Er teilt seinen Tag in sechs Blöcke ein:

  • 5 bis 8 Uhr: 3 Stunden Morgenroutine (Frühstück, Lesen, Tagesplanung und Vorbereitungen auf den Arbeitstag)
  • 8 bis 12 Uhr: 4 Stunden arbeiten
  • 12 bis 14 Uhr: 2 Stunden Mittagspause (Essen, Lesen, Administration)
  • 14 bis 18 Uhr: 4 Stunden arbeiten
  • 18 bis 22 Uhr: 4 Stunden Abendroutine (Aufräumen, Musik, Abendessen, soziale Kontakte/Konversation, Tagesbilanz)
  • 22 bis 5 Uhr: 7 Stunden Nachtruhe (schlafen)

Dieser Tagesplan ist sozusagen eine „light Version of Hyper-Scheduling“. Zudem stellt dieser Tagesplan auch eine meiner Meinung nach recht gute Einteilung dar. Mit ausreichend Zeit für eine Morgen- und Abendroutine, sowie eine Mittagspause. Aber das muss man sich natürlich nicht in den Kalender eintragen, denn schließlich sind das Gewohnheiten. Ein Tagesablauf, den man sich nach diesem Beispiel selbst anpassen und zur Gewohnheit werden lassen kann.

Beim Hyper-Scheduling geht es dann um eine genauere Einteilung der beiden 4-Stunden-Zeitblöcke für die tägliche Arbeit mit der vorhin oben kurz skizzierten Methodik. Cal Newport meint dazu, dass durch das Hyper-Scheduling eine Konfrontation der geplanten Aufgaben mit der Realität vor dem Hintergrund resp. der Tatsache eines limitierten Zeitbudgets (für die tägliche Arbeit) erfolgt. Das macht dann durchaus wieder Sinn, wenn man nämlich vermeiden möchte, dass man sich zu viel vornimmt. Denn weiße Flecken im Kalender sind mit der Hyper-Scheduling-Methode rasch ausgefüllt. Aber ob man dieses Pensum dann auch tatsächlich schafft, verrät der beste Kalender nicht.

Die Trennung von Terminkalender und Aufgabenliste ist grundsätzlich eine gute Basis für die Tagesplanung. Das Zusammenschalten beider Werkzeuge zu einem hat für mich keinen erkennbaren Mehrwert. Lediglich der Aspekt der zeitlichen Abschätzung, wie viele Aufgaben man sich an einem Tag aufhalsen kann, sollte berücksichtigt werden. Bei meiner Aufgabenplanung nutze ich stattdessen allerdings lieber eine einfache 3er-Regel: nie mehr als drei Aufgaben, die an genau dem Tag zu erledigen bzw. fällig sind und jeweils voraussichtlich mehr als eine Stunde Zeit beanspruchen werden.

Links vom Wochenende 22/2020

Ausgabe #10 // Woche 22/2020 // 25.05.2020

Auch am vergangenen Wochenende hatte das Internet wieder eine Menge an Informationen zu bieten. Die besten Fundstücke von meinen Streifzügen durch das Netz (nicht bloß) rund um’s Planen und Bauen verlinke ich hier:

  • In unseren Breiten regnet es derzeit zu wenig ergiebig. In der Wüste ist Regen noch seltener. Und einen dieser seltenen Regen hat ein Fotograf in Dubai aus dem zweit höchsten Wohnhaus ebendort in einem zweiminütigen Zeitraffervideo dokumentiert:

    Auf PetaPixel kann die ebenso interessante Entstehungsgeschichte des Videos nachgelesen werden: A Dubai Rainstorm Timelapse from the World’s 2nd Tallest Residential Tower // Fotografie, Hochhäuser
  • Wie und warum man in Norddeutschland überschüssigen Strom aus Windparks zur Herstellung von Wasserstoff sowie von Treib- und Brennstoffen aus elektrischer Energie nutzen möchte: Wasserstoff-Fabrik auf hoher See // Alternativenergie
  • Am FH Campus Wien plant man eine Wissensplattform im Internet zum Thema nachhaltiges Planen und Bauen: Mehr Wissen über nachhaltiges Bauen verbreiten // Nachhaltigkeit
  • Alle die sich in Sachen BIM weiterbilden möchten, sollten mal beim EDUBIM-Campus vorbeischauen. Dort gibt‘s ein interessantes Ausbildungsprogramm, in das man auch kostenlos reinschnuppern kann: Sprechen Sie BIM! // BIM

Links vom Wochenende ist eine liebevoll von Hand kuratierte Liste subjektiv empfehlenswerter (Hyper)Links ins Netz und erscheint (fast) immer Montags hier im MPM-Blog, also auch im Kalender auf der horizontalen Zeitachse gesehen links vom nächsten Wochenende 😉

Was der LiDAR-Scanner auf Baustellen bringen könnte

Foto: Apple Inc.

Mit der jüngsten Generation des iPad Pro hat Apple einen neuen Scanner im Kamera-Modul verbaut: der so genannte LiDAR-Scanner ermöglicht eine bessere Tiefenerfassungsfunktion. LiDAR ist eine Abkürzung und bedeutet light detection and ranging. Technisch gesehen ist der LiDAR-Scanner ein Laserscanner, der mit einer dem Radar verwandten Methode optisch Abstände und Geschwindigkeiten messen kann. Anstelle der Radiowellen beim Radar werden allerdings Laserstrahlen bzw. -impulse verwendet. Über das zurückgestreute Licht und die Lichtlaufzeit der Signale wird die Entfernung zum Ort der Streuung berechnet. Apple gibt zu diesem LiDAR-Scanner an, dass dieser den Abstand zu Objekten in der Umgebung in einer Entfernung von bis zu fünf Metern misst, sowohl in Innenräumen als auch im Freien funktioniert und auf der Photonenebene mit Geschwindigkeiten im Nanosekunden-Bereich arbeitet. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser LiDAR-Scanner dann auch im neuen iPhone 12 eingebaut sein wird, das voraussichtlich im Herbst erscheint.

Nun sind Laserentfernungsmesser im Bau- und Vermessungswesen bereits verbreitet im Einsatz. Diese arbeiten bei der Entfernungsmessung auch nach dem LiDAR-Prinzip. Dafür ist aber der im aktuellen iPad Pro verbaute LiDAR-Scanner zu wenig leistungsfähig, da seine Reichweite auf 5 Meter begrenzt ist. Erste Tests haben zudem beim Messen mit der in iOS bzw. iPadOS enthaltenen Maßband-App eher ungenaue Ergebnisse geliefert.

Seine Stärke bringt der LiDAR-Scanner allerdings beim Einsatz von Augmented Reality zur Geltung. Entsprechende AR-Anwendungen können durch den LiDAR-Scanner virtuelle Objekte wesentlich genauer im Raum platzieren. Für die Verortung von Bauteilen auf der Baustelle bringt dies Vorteile, sofern man die Daten aus einem CAD-Plan beispielsweise für Aufbauanleitungen in eine geeignete AR-App übergeben kann.
Auch die Bemusterung von Leuchten, Sanitärgegenständen oder Möbeln kann mit einer geeigneten AR-Anwendung, in der ein Bemusterungskatalog mit virtuellen Produkten enthalten ist, direkt auf der Baustelle erfolgen. Aufwändige Transporte und das teilweise kostenpflichtige Bereitstellen von Mustern können dann entfallen. Zudem wäre es so möglich, mehrere Varianten wesentlich einfacher und auch vor Ort auf der Baustelle virtuell und doch realitätsnah zu bemustern.

Ergänzung/Update vom 02.06.2020
Seit gut zwei Wochen gibt es diverse Leaks zur anscheinend 2021 oder 2022 erscheinenden AR-Brille von Apple, den Apple Glasses. Wem das Video von Jon Prosser zu deftig ist, der kann viele Details auch im umfangreichen Artikel von MacRumors nachlesen, oder in diversen Tech-Podcasts anhören (z.B. in der Apfelfunk-Folge 224). Jedenfalls würde eine solche AR-Brille, in der ein LiDAR-Scanner mit verbaut ist, die oben beschriebenen Möglichkeiten auch auf Baustellen deutlich verbessern und erweitern. Virtuelle Objekte in realen Umgebungen müssten dann nicht mehr am Bildschirm eines iPad oder iPhone betrachtet werden, sondern könnten noch wesentlich realitätsnäher im Raum bzw. auch im Freien erlebt werden. Und im Konnex mit BIM ergeben sich ganz großartige und phantastische Möglichkeiten direkt auf der Baustelle …

Links vom Wochenende 20/2020

Ausgabe #9 // Woche 20/2020 // 11.05.2020

Woche 20 im Jahr 2020. Das sind diesmal nur Zwanziger 😉
Auch am vergangenen Wochenende hatte das Internet wieder eine Menge an Informationen zu bieten. Die besten Fundstücke von meinen Streifzügen durch das Netz (nicht bloß) rund um’s Planen und Bauen verlinke ich hier:

  • Auf YouTube habe ich einen interessanten Channel zum Thema BIM gefunden: That BIM Girl hat dort schon einige englischsprachige Videos produziert und bereitgestellt. Besonders interessant fand ich das Thema Collaboration in a BIM Project. In diesem Video geht es um die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Tragwerks- und Gebäudetechnikplanern am virtuellen Gebäudemodell am Beispiel von BIMPLUS.

    Darüber hinaus gibt es noch einige andere Videos und einen Einsteiger-/Grundlagenkurs für REVIT. // BIM
  • Digitalisierung in der Baubranche ist schon einige Zeit ein Dauerbrenner. Doch nun werden Digitalisierungsbestrebungen durch die COVID19-Pandemie noch dringlicher. Das Build-Ing.-Magazin ist sogar der Meinung, dass Die digitale Baustelle – jetzt wichtiger denn je ist. // Digitalisierung, COVID19
  • Neben der Baubranche hat auch die Hochschullehre einen erheblichen Digitalisierungsbedarf. Die COVID19-Pandemie hat uns Lehrende vor neue Herausforderungen gestellt. Denn quasi auf Knopfdruck mussten wir unsere Vorlesungen in digitale Hörsäle verschieben, Projekt- und Seminararbeiten online betreuen und Prüfungen über Videokonferenz abnehmen. Dass dies alles mit kommerzieller Software rasch und einfach umgesetzt werden kann, haben viele Hochschulen in Österreich und Deutschland bewiesen. Aber es klappt auch mit freier Software- Wie die Uni Osnabrück das vollständig mit freier Software auf eigenen Systemen geschafft hat, kann man in diesem Interview nachlesen: Freie Software in der digitalen Lehre – Ganz nach Bedarf // Digitalisierung, COVID19
  • Wozu braucht eine Baufirma einen Smart-Home-Anbieter? Was auf den ersten Blick verwunderlich wirken mag, macht bei genauerem Hinsehen für den Schlüsselfertigbau durchaus Sinn: Züblin übernimmt Smart-Home-Anbieter // Digitalisierung, Smart Home
  • BIM-Experte fordert länderübergreifende Bemühung um gemeinsame Standards in einem Interview. Sehr interessant ist das Ergebnis dieses Interviews, das von der Firma MagiCAD in einem BIM-Whitepaper zusammengefasst wurde und das man sich kostenlos als PDF herunterladen kann. Wenig überraschend ist einer zentralen Faktoren für den Faktoren für die erfolgreiche Einführung von BIM der reibungslose Datenaustausch. // BIM

Links vom Wochenende ist eine liebevoll von Hand kuratierte Liste subjektiv empfehlenswerter (Hyper)Links ins Netz und erscheint (fast) immer Montags hier im MPM-Blog, also auch im Kalender auf der horizontalen Zeitachse gesehen links vom nächsten Wochenende 😉

BIM-Fachbegriffe: diese Seiten bringen Klarheit

Die BIM-Fachsprache besteht zu einem guten Teil aus Akronymen. Selbst BIM ist ein Akronym. Um mehr Klarheit über die Bedeutung dieser Akronyme wie BAP, BCF, LOD, LOI, LOG, MVD, PSD, etc. zu erlangen, kann man einen Blick in die Fachliteratur und Normen rund um BIM werfen. Oder man begibt sich online auf die Suche.

Auf dieser Suche wird man rasch fündig. Oftmals referenzieren die ersten Suchergebnisse auf Seiten von Softwareherstellern. Dort kann zwar der erste Informationsdurst gestillt werden, doch mitunter sind Begriffe zu stark auf die jeweilige Software angepasst.
Etwas unabhängigere und allgemein gültige Definitionen und Beschreibungen bieten diese deutschsprachigen Seiten, die zudem auch als Nachschlagewerke Klarheit in die Welt der BIM-Fachbegriffe bringen:

BIMpedia

BIMpedia richtet sich gleichermaßen an Einsteiger und Fortgeschrittene. Übersichtliche Artikel und Begriffserklärungen, die thematisch in die Bereiche Architektur, Elektro, HKLS und Tragwerksplanung gegliedert sind, geben dem Leser einen ersten Einblick in die Welt der Fachbegriffe für die Nutzung von BIM im Hochbau. Die Benutzerführung der Seite ist etwas unübersichtlich. Am schnellsten kommt man zu einem Ergebnis, wenn man die Suchfunktion der Seite nutzt.

Die Seite wird von der Plandata GmbH in Wien betrieben. Die meisten Inhalte auf BIMpedia sind kostenlos und frei zugänglich. Drüber hinaus gibt es einen kostenpflichtigen Pro-Account, in dem Tutorials vorwiegend für REVIT zur Verfügung gestellt werden.

Baunetz_Wissen_BIM

Baunetz_Wissen für BIM bietet ein umfangreiches Angebot für Einsteiger und Fortgeschrittene. Neben einer Vielzahl an Beiträgen zu Fachwissen und einem BIM-Glossar gibt es auch Projektbeispiele und Tipps zu Fachbüchern, Veranstaltungen und Produkten.
Die Seite ist gut strukturiert, übersichtlich und bietet anschauliche Erklärungen mit vielen Beispielen und Hinweisen zu weiterführenden Inhalten. An die Navigationsleiste, die sich immer wieder einblendet, gewöhnt man sich rasch. Wenn sie mal stören sollte, dann kann man sie einfach ausblenden.

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