Produktivität

Buchtipp: „Feel-Good Productivity“ von Ali Abdaal

Produktivität darf durchaus Spaß machen und für gute Gefühle sorgen. Das habe ich hier im Blog auch schon an der einen oder anderen Stelle mal geschrieben. Der YouTuber Ali Abdaal hat darüber nun ein neues Buch mit dem hippen Titel Feel-Good Producitvity verfasst.

Dreigeteilt

Inhaltlich gliedert sich das Buch ein drei Teile zu je drei Kapiteln. Im ersten Teil dreht sich alles um das Thema Energie. Ali Abdaal ist der Meinung, dass man Energie aus Spaß, dem eigenen Selbstvertrauen und den Menschen, mit denen man sich umgibt – so es denn auch die richtigen sind – gewinnen und in Produktivität verwandeln kann.

Im zweiten Teil gehts darum, allfällige Energieblockaden zu lösen, indem man Klarheit schafft, Mut findet und dann loslegt. Das Kapitel über Mut finden hätte besser mit Angst überwinden betitelt werden sollen, denn es geht nahezu ausschließlich darum, die eigenen Ängste zu erkennen, abzubauen oder zu überwinden. Schließlich sind diese Ängste Energieblockaden, die uns nach der Auffassung von Ali Abdaal am produktiven Arbeiten hindern.

Der abschließende, dritte Teil verrät, wie man die gewonnene Energie erhalten kann, indem man sie bewahrt, sich einfach weniger vornimmt bzw. weniger arbeitet, Ablenkungen widersteht und mehr Pausen einlegt. Es wird auch beleuchtet, wie man sich selbst auftanken kann, indem man kreativ tätig wird, oder in der Natur unterwegs ist und wie man Harmonie schafft, indem man zunächst langfristig, dann mittelfristig und zuletzt kurzfristig denkt.

Am Ende eines jeden Kapitels destilliert der Autor die wesentlichen Punkte daraus in jeweils eine kurze Zusammenfassung. Eine wirklich gute Idee, die bei diesem Buch viel Zeit spart, weil man sich beim Lesen gut und gerne auf diese Zusammenfassungen beschränken darf.

Dünnes Brett

Das Buch hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Zum einen habe ich mit dem Titel bereits einige Mühe. Zwar bin ich – wie erwähnt – auch der Meinung, dass Produktivität Spaß machen darf, aber zugleich suggeriert der Autor, dass man nur dann produktiv und somit erfolgreich sein kann, wenn man dabei auch Spaß hat. Bis zu einem gewissen Grad stimmt das sogar, dass besonders erfolgreiche und produktive Menschen auch sehr viel Spaß und Freude an ihrer Arbeit haben und im besten Fall gar nicht bemerken, dass sie eigentlich arbeiten. Aber es erzeugt ein etwas schiefes Bild und weckt falsche Erwartungen, denn Ali Abdaal glorifiziert die eine Seite der Medaille mit einem erfolgreichen, produktiven Leben. Die andere Seite, nämlich die mit der Erfahrung, dem erforderlichen Wissen und Können, der Disziplin und dem notwendigen Quäntchen Glück für den Erfolg, die erwähnt er nur nebenbei.

Und zum anderen war das Buch hinsichtlich Aussagekraft und inhaltlicher Tiefe ziemlich dünn. Obwohl der Autor durchaus engagiert und beherzt versucht, eine Vielzahl an teilweise wissenschaftlichen Studien zu zitieren, zu kategorisieren und in seinem Buch an den passenden Stellen einzuordnen, entsteht nicht mehr, als ein rohes Konglomerat. Der Feinschliff fehlt und praktische Anwendbarkeit kommt schlicht zu kurz.

Bei der Hälfte ist inhaltlich schon Ende

Das spürt man übrigens auch beim Lesen auf nahezu jeder Seite. Und wenn dann bei der Hälfte des Buches plötzlich schon Schluss ist, bleibt man einfach nur überrascht sitzen. Denn danach folgen lediglich noch ein langes Quellenverzeichnis, Stichwortregister und epische Danksagungen. Von der Seitenanzahl des Buches – es sind immerhin 272 – darf man sich folglich nicht täuschen lassen. Der eigentliche Inhalt beschränkt sich nämlich nur auf die Hälfte davon.

Fazit

Wer will sein Leben nicht unbeschwert, stressfrei und glücklich genießen? Oder ohne zu prokrastinieren, sämtliche anstehenden Aufgaben fokussiert erledigen und sich dabei nicht ausgelaugt fühlen? All das verspricht die Feel-Good-Methode von Ali Abdaal. Und mit diesem Credo wurde das Buch auch schon Monate vor der Veröffentlichung von Ali Abdaal selbst auf YouTube und in Gastauftritten bei diversen Podcasts vermarktet. Aber gute Selbstvermarktung macht kein Buch besser, als es eben ist. Jedenfalls habe ich mir davon eigentlich deutlich mehr erwartet. Aber vermutlich gehöre ich nicht zur Zielgruppe dieses Buches und das ist höchstwahrscheinlich auch die Erklärung dafür, warum der Erkenntnisgewinn daraus ziemlich gering war.